Stellungnahme zum Zeitungsartikel 'Fairplay mit Füssen ...'
04.12.2009 - Karl Fenzl
Leserbrief zum Artikel
„Fairplay mit den Füßen getreten" am 04. 12. 2009 im NT
Der Artikel kann nicht unwidersprochen bleiben, weil hier einige Aspekte, die ich dem Reporter am Telefon mitgeteilt hatte, nicht dargestellt wurden. Passten sie vielleicht nicht in das Bild, das man zeichnen wollte, oder wurden sie einfach vergessen?
Zunächst muss ich feststellen, dass ich als Mensch und Sportler Gewalt ablehne! Gewalt ist keine Lösung. Auch als KJL kämpfe ich seit Jahren gegen Gewalt. Auch ich habe jahrelang Fußball gespielt. In meiner ganzen aktiven Laufbahn habe ich eine gelbe Karte erhalten, und zwar, weil ich vergessen hatte, mich als Einwechselspieler anzumelden!
Ich bin nun im 39. Dienstjahr als Lehrer an einer Hauptschule, seit fast 14 Jahren an der Max-Reger-Schule in Weiden tätig. Die Arbeit als Lehrer wird immer schwieriger! Nicht nur, weil immer weniger begabte und leistungswillige Schüler unsere Hauptschulen besuchen, sondern auch, weil die Erziehung im Elternhaus immer mehr vernachlässigt wird.
Wir Lehrer können dieses Defizit in den wenigen Stunden, in denen die Schüler bei uns sind, nicht aufholen, weil wir eigentlich andere Aufgaben haben.
Noch weniger kann das ein Verein! Sind in „schwierigen" Schulen inzwischen ausgebildete Sozialarbeiter tätig, die sich der ganz schlimmen Fälle annehmen, sind meine Mitarbeiter im SVD Sozialarbeiter ohne Ausbildung!
Wir machen die Kinder nicht zu dem, was sie sind, wir versuchen, sie etwas zum Positiven zu bewegen, was uns allerdings nicht immer gelingt.
Alfred Schwarzmeier stellt in seinem Kommentar, der mich sehr angesprochen hat, fest, dass beim SV schon seit 40 Jahren Sozialarbeit betrieben wurde! Das kann ich aus Unterlagen des Vereins nur bestätigen. Der Sportverein musste mit vielen Problemen, die durch Flüchtlinge, die amerikanischen und deutschen Kaserne, und nach der „Wende" durch die Übersiedler und Migranten entstanden sind, fertig werden.
Die Stadt Weiden wehrt sich gegen Rechtsradikale und Rassismus und hat dazu den Slogan „Weiden ist bunt" geprägt. Wenn ein Sportverein in unserem Raum sich diesen auf die Fahnen heften kann, dann der SVD! Er ist wirklich bunt! Viele Rassen und Nationen sind in unseren Mannschaften vertreten. Nebenbei gesagt ist es auch der SVD, der zwei türkischen Vereinen Trainings- und Spielmöglichkeiten gegeben hat. Bei uns ist jeder willkommen!
Dass der Stockerhut ein sozialer Brennpunkt war, ist unbestritten und er ist es - trotz „Neue Mitte" und „Sozialer Stadt" immer noch! Es wird sicher noch einige Jahren dauern, bis sich hier etwas ändert!
Zu den von Alfred Schwarzmeier angesprochen Maßnahmen zur Änderung des Zustands möchte ich wieder die Möglichkeiten einer Schule ansprechen. Was kann man gegen gewaltbereite und renitente Schüler unternehmen? Mitteilung an die Eltern, Verweis, verschärfter Verweis, vorübergehender Schulausschluss! Und wenn das alles nichts hilft? Bei älteren Schülern gibt es noch die Möglichkeit des Verweises von der Schule! Was haben wir damit erreicht?
Sie stehen ohne Schulabschluss auf der Straße und fallen der Gesellschaft zur Last!
Was habe ich im Verein unternommen? All das, was Alfred Schwarzmeier angesprochen hat, habe ich schon durchexerziert! Als vor ca. zwei Jahren die Probleme bei der Heimfahrt von Kümmersbruck auftraten, habe ich vier Jugendliche vereinsintern gesperrt und die Pässe mit nach Hause genommen.
Was war das Ergebnis? Weitere Jugendliche wurden aufgehetzt, nicht mehr für den Verein zu spielen, und ich musste letztendlich die C-Jugend abmelden!
Zum Spiel gegen Kirchenthumbach möchte ich folgendes anmerken: Für den SVD gab es 4 Verwarnungen, 5 Zeitstrafen und einen Platzverweis wegen Beleidigung des SR, der Gast hatte 1 Verwarnung und 1 Zeitstrafe.
Am Spielberichtsbogen ist keinerlei Verletzung vermerkt, es sind auch keine Angaben über Tätlichkeiten hinter dem Rücken des SR vermerkt.
Ich möchte hier betonen, dass die Anzahl von Strafen für den SVD für mich als KJL schon sehr viel sind, ich habe den Spielberichtsbogen wegen der Beleidigung des SR auch an das JSG weitergeleitet. Der Spieler hat eine gerechte Strafe bekommen. Wenn Hinweise auf weitere Tätlichkeiten vorhanden gewesen wären, wäre das ebenso weitergeleitet worden!
Auch der Gastverein hätte selbstverständlich auch nachträglich die Möglichkeit gehabt, sich durch eine Anzeige oder Meldung an das JSG zu wenden. Mit mir hat sich von diesem Verein niemand in Verbindung gesetzt!
Ich weiß, dass unsere Jugendlichen keine „Heiligen" sind. Ich habe auch immer wieder mit ihnen über das Problem gesprochen. Sie sind für Gespräche zugänglich und versprechen , sich zu bessern.
Doch jetzt kommt die andere Seite: Sie werden, vor allem bei Auswärtsspielen, immer wieder von Zuschauern als asozial beschimpft und teils auch wegen ihrer Hautfarbe geschmäht! Fällt es schon Erwachsenen schwer, solche Beschimpfungen wegzustecken, ist dies bei Jugendlichen noch schwieriger!
Ich kann in diesem Zusammenhang drei Fälle aus unserer ersten Mannschaft aus der BOL und BL anführen, bei denen ich dabei und „Ohrenzeuge" gewesen bin. Wir hatten einen ganz jungen farbigen Mann. Er wurde zweimal von Zuschauern und einmal sogar von einem Spieler massiv rassistisch beleidigt.
Ich hätte diese Fälle damals auch in der Presse ausschlachten und die Vereine in Misskredit ziehen können. Ich habe versucht, das ganze auf dem „Dienstweg", den man auch in dem Kirchenthumbacher Fall beschreiten hätte können, zu lösen. Ich habe mich an die SR-Organe gewandt und versucht, die Schiedsrichter für solche Dinge hellhöriger zu machen! In einem der von mir angesprochenen Fälle wurde unser farbiger Spieler, jedes Mal, als er an einer bestimmten Stelle vorbeilief, mit affenartigen Lauten „begrüßt". Ich stand ca. 60 m entfernt und konnte es hören! Der SR war nur ca. 10m weg, der LR stand unmittelbar in diesem Bereich! Beide hörten nichts!
Dass es auch bei „braven" Verein Ausraster gibt, bewies sich erst vor zwei Wochen: Ein Spieler wurde am Trikot festgehalten, er revanchierte sich mit einer Ohrfeige! Hier wird nichts an die Presse weitergeleitet!
Und nun komme ich wieder auf meine Andeutung vom Anfang zurück: Nach dem Kirchenthumbacher Spiel hatte unsere Mannschaft noch eine Begegnung bei der DJK Neustadt!
Ich rief den zum Spiel eingeteilten SR Josef Bulla an und schilderte ihm, was mit über das Kirchenthumbacher Spiel berichtet wurde. Ich gab ihm auch noch ein paar Tipps zum Umgang mit schwierigen Jugendlichen. Nach der Begegnung rief er mich an und berichtete mir, dass er mit unseren Jungs keinerlei Probleme hatte. Er hatte bei ihnen vor dem Spiel mit ihnen wie mit „normalen" Menschen gesprochen. Das hatte anscheinend funktioniert! Er sagte mir ausdrücklich noch, dass ich meinen Spielern ausrichten soll, dass es ihm Spaß gemacht habe, das Spiel zu leiten.
Ähnliche Äußerungen habe ich schon von anderen SR gehört! Warum wurde dies, obwohl ich extra darauf hinwies, nicht in den Bericht mit aufgenommen?
Zum Abschluss möchte ich darauf hinweisen, dass ich nun schon seit knapp 8 Jahren mein Amt als KJL gewissenhaft ausübe und für die Vereine im alten Kreis Weiden und dann im neuen Kreis Amberg/Weiden alles getan habe, was in meiner Macht stand. Zusammen mit meinen Jugendmitarbeitern haben wir über viele kleine Nachlässigkeiten hinweggesehen ( z. B. unvollständig ausgefüllte Spielberichtsbögen, die wir selbst ergänzt haben), für die es in anderen Kreisen Anzeigen hagelt!
Langsam werde ich müde! Ende dieses Schuljahres werde ich die Ruhephase meiner Altersteilzeit genießen und mich als Vorsitzender des SVD zurückziehen. Als KJL stelle ich mich beim nächsten Kreistag 2010 noch einmal dem Votum der Delegierten.
Karl Fenzl
Vorsitzender des SV-Detag Weiden und Kreisjugendleiter
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